Wortlaut der Rede 
des Staatspräsidenten Islam Karimov 
bei der Einweihung des neuen Gebäudes 
der Botschaft der Republik Usbekistan 
in der Bundesrepublik Deutschland am 3. April 2001

Es ist uns eine große Ehre, dass hier heute der Bundesinnenminister Otto Schily, Regierender Bürgermeister von Berlin Eberhard Diepgen, der Ministerpräsident von Brandenburg Herr Manfred Stolpe, Abgeordnete des deutschen Bundestags, der gute Freund unseres Landes der frühere Bundespräsident Doktor Roman Herzog, Vertreter aus der Politik und Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland anwesend sind, die einen unschätzbaren Beitrag zum Ausbau der deutsch-usbekischen Beziehungen geleistet haben und leisten.

 

Ich glaube, dass es besonders symbolisch ist, dass wir die Schritte zum Erwerb und zur Restauration dieses Gebäudes gleich nach dem Beschluss der  Bundesregierung und der jeweiligen staatlichen Einrichtungen Deutschlands, nach Berlin umzuziehen, unternommen haben.

 

Es ist selbstverständlich, dass wir – und das möchte ich besonders betonen - hätten nichts tun können, wenn wir die große Unterstützung und Mitwirkung der zuständigen deutschen Behörden, die Hilfe von vielen Freunden und in erster Linie vom Regierenden Bürgermeister von Berlin Herrn Diepgen, den man in Usbekistan gut kennt und schätzt, nicht bekommen hätten. Ich bin überzeugt, dass das heutige Ereignis ein weiterer Beweis für die wachsende und immer stärkere Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern und Völkern ist. Ich möchte heute mit großer Zufriedenheit feststellen, dass sich in der, historisch gesehen, kurzen Zeit der offiziellen Beziehungen zwischen unseren Ländern gute, ich würde sagen, nachhaltige Traditionen der Partnerschaft, der gegenseitigen Achtung und des Verständnisses für gegenseitige Interessen gebildet haben.

 

Symbolisch ist auch, dass wir ein attraktives Gebäude unserer Botschaft im Herzen Berlins, in betone, im Herzen Berlins – der wunderschönen und frühlingshaft erneuerten Hauptstadt Deutschlands – in dem Jahr eröffnen, in dem in Usbekistan der zehnte Jahrestag der Unabhängigkeit unseres Landes groß gefeiert wird.

 

Die vergangenen zehn Jahre waren für uns die Periode schwieriger Prüfungen durch die Zeit, welche die Geschichte uns gegönnt hat für den Ausbau unserer Unabhängigkeit, für den Aufbau eines demokratischen Rechtsstaates mit einer Marktwirtschaft, die Wiederherstellung unserer nationalen und geistigen Werte und Traditionen, für die Schaffung der Grundlagen für eine Zivilgesellschaft sowie für die Bewältigung der keineswegs einfachen Aufgabe, die wir jetzt in Angriff genommen haben, nämlich einen gebührenden Platz in der Staatengemeinschaft einzunehmen, die Achtung unserer Partner und der Staatengemeinschaft zu gewinnen, ja sie zu gewinnen. Wir wissen, dass die Achtung erarbeitet werden muss und wir arbeiten daran. Das möchte ich besonders betonen.

Wenn man die jetzige komplizierte Lage in unserer Region, den nunmehr 20 Jahre andauernden Krieg in Afghanistan und die Umweltkatastrophe des Aralsees bedenkt, kann man sich die Herausforderungen vorstellen, die wir bewältigen müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Ich bin sicher, dass auch unsere Nachbarn – Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan, deren Botschafter heute hier anwesend sind - vor genau so schwierigen Problemen und Aufgaben stehen.

 

Besonders hervorheben möchte ich folgendes: Wenn uns nicht unsere Freunde und Partner sowie diejenige, die uns bei der Überwindung zahlreicher Hindernisse und Probleme unterstützt haben, nicht beigestanden hätten, wären wir heut nicht in diesem Raum und könnten nicht an einer solchen feierlichen Veranstaltung teilnehmen. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass gerade Deutschland eines der Länder war und bleibt, die nicht mit bloßen Worten sondern mit Taten gezeigt haben, dass sie wirklich zusammenarbeiten und die Stärkung der politischen Souveränität und Unabhängigkeit des jungen Usbekistan sowie die Erfahrungen fördern wollen, ohne die sich nach unserer Überzeugung eine neue Gesellschaft oder neue Marktwirtschaft nicht aufbauen lassen.

 

Deutschland hat eine bedeutende Rolle bei der aktiven Integration Usbekistans in die internationale Staatengemeinschaft und die weltwirtschaftlichen Verflechtungen sowie beim Auf- und Ausbau der Partnerschaft und der Kooperation Usbekistans mit der Europäischen Union gespielt. Die Beziehungen mit der EU gehören zu den wichtigsten Prioritäten unserer Außenpolitik. Die Erfahrungen der letzten acht Jahre der deutsch-usbekischen Zusammenarbeit können als ein Modell gleichberechtigter und gegenseitig vorteilhaften Beziehungen zwischen einer der entwickeltesten Weltmächte und einem neuen unabhängigen Staat gesehen werden.

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich betonen, dass Usbekistan an der Festigung einer umfassenden Partnerschaft mit der Bundesrepublik, am Ausbau der Präsenz des deutschen Kapitals, der deutschen Unternehmen und Firmen auf dem usbekischen Markt interessiert ist. Durch die Festigung und die Förderung der vielseitigen Beziehungen mit Deutschland möchten wir die Integrationsprozesse der Kooperation auf dem europäischen Kontinent ausbauen und - bildhaft ausgedrückt - dadurch eine Brücke zu schlagen, die uns ermöglichen soll, unsere Kontakte zu den Ländern der EU auszubauen und zu intensivieren.

 

Es ist keine große Übertreibung, glaube ich, wenn ich sage, dass das aus den Ruinen wiederhergestellte, Respekt einflößende neue Gebäude der usbekischen Botschaft in Berlin zu Recht zu einem Symbol für die immer enger und stärker werdenden vielseitigen Beziehungen zwischen Deutschland und Usbekistan wird. Ich möchte mich noch einmal den deutschen Bundesbehörden und ihren Leitern sowie der Stadt Berlin für die Unterstützung danken, die sie uns beim Erwerb und der Restauration dieses Gebäudes geleistet haben. Es kann als Beispiel für die harmonische Verbindung von Traditionen der Architektur und Baukunst – ich würde es weiter fassen – zwischen Tradition und Kultur des Westens und des Ostens sein.

 

Ich möchte besonders darauf hinweisen, dass die Handwerker, die an der Restauration des Gebäudes gearbeitet haben, die Anweisung bekommen hatten, möglichst viel davon zu bewahren, was zur deutschen Tradition gehört. Eingedenk dessen, dass dieses Gebäude und das Grundstück ein Teil Usbekistans sind, haben wir unser Bestes getan, damit die deutschen Traditionen, die Traditionen der deutschen Kultur mit unsren Traditionen, den Traditionen der usbekischen Baukunst und der usbekischen Kultur auf einander harmonisch abgestimmt sind.

 

Nun sehen Sie, das es doch möglich ist. Ich möchte nochmals betonen, dass nur dank dem aufmerksamen und behutsamen Umgang mit der Kultur anderer Völker es möglich war, die praktisch verlorengegangenen Fragmente der Innenausstattung dieses Gebäudes wiederherzustellen und seinem einmaligen Erscheinungsbild neue Farben zu verleihen.

 

Ich weiß, dass sich viele von den Anwesenden nicht ohne weiteres beeindrucken lassen, denn Sie leben in der Mitte Europas. Deutschland geht es heute gut. Ihre Lebensweise erlaubt Ihnen, viel zu reisen und viele Länder der Welt kennenzulernen. Ich möchte jedoch Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die Schönheit dieses Gebäudes oder, wenn man so will, der geistige Wert dieses Gebäudes eben darin besteht, dass hier Ihre, deutsche Ideen mit unseren usbekischen auf eine faszinierende Weise verflochten sind. Sehen Sie sich bitte diese sechs Panneaus an. Dies ist unsere Kunst, auf die wir stolz sind. Diese Stuckarbeit heißt bei uns Gantsch-Schnitzerei. Seien Sie versichert, kein Quadratmeter gleicht dem anderen. Das ist eine Handarbeit. Wir haben in Usbekistan sehr viele Handwerker, die solche Pracht schaffen können. Aber Sie werden staunen, die Arbeit eines jeden Handwerkers ist einmalig. Das ist eigentlich kein Handwerk, sondern Kunst.

 

Wenn uns gelungen ist, ein Stück usbekischer Kultur in der Mitte Deutschlands, in der Mitte der deutschen Hauptstadt Berlin zu schaffen, so darf ich mit Verlaub sagen, dass ich stolz darauf bin.

 

In diesem Saal sitzen viele Menschen, die ich persönlich kenne wie auch solche, die ich noch nicht persönlich kenne. Aber ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um meine größte Hochachtung gegenüber Ihnen allen und den von Ihnen vertretenen Völkern zum Ausdruck zu bringen. Ich möchte meine Hochachtung vor den großen Traditionen, Geschichte und Kultur ausdrücken, die Deutschland heute besitzt und großzügig mit allen teilt, die zusammenarbeiten und friedlich, in Freundschaft mit ihrem großen Land zusammenleben wollen. Ich möchte allerdings noch eins sagen: Ich habe gemerkt, dass Sie sich wohl und leicht gefühlt haben, sobald Sie dieses Gebäude betreten haben. Ich wünsche mir, dass dieses Gefühl von Leichtigkeit und Wohlgefühl, das Sie heute in den Gesprächen erkennen lassen, immer in unseren Beziehungen da ist, in den Beziehungen zwischen Deutschland und Usbekistan.