Samarkand ist die Schönheit der Erde, 
Buchara ist die Schönheit der Seele

Von Sophie Carroll

Dieser usbekische Spruch sollte sich beweisen, als wir erwartungsvoll aus dem Bus stiegen, um die Festung von Buchara zu besichtigen. Der überdachte Eingang der Festung besaß mehrere kleine Läden, die Infos über Buchara und Umgebung zu bieten hatten, doch wir beschlossen, selber heraus zu finden, was andere vor uns so begeistert hatte. Der steile Aufstieg brachte uns leicht aus der Puste. Oben angekommen, erfreute uns die Aussicht über Buchara um so mehr.

Die Festung wurde im 7. Jahrhundert von Bukhar Khudat Bidun gebaut. Bis zum 13. Jahrhundert stürzte sie mehrmals ein, wurde neu gestaltet, häufig zerstört, wieder aufgebaut, um dann erneut überfallen zu werden. Deshalb besteht sie aus so vielen verschiedenen Stilrichtungen, die alle auf verschiedenste Ideen basieren. Im Jahre 1220 wurde sie von den Mongolen fast ganz zerstört. Doch im 16. Jahrhundert fing sie langsam an, unter der Herrschaft von Usbek Shaybanids Form anzunehmen; all ihre neuesten Gebäude sind in den letzten drei Jahrhunderten entstanden. Bis zu diesem Zeitpunkt lebten in der Festung nicht nur der Emir und seine Familie, sondern auch eine große Anzahl von Regierungsmitgliedern. Insgesamt wohnten dort 3000 Menschen, und die Festung bestand aus einem Palast, einem Harem, Thronsaal, Wandelhalle, Schatzkammer, Moschee, Verlies und den Sklavenquartieren.

Im Jahre 1920 wurde die Festung durch ein Feuer zu 80% zerstört. Doch von der abenteuerlichen Geschichte dieser Festung merkt man nichts, wenn man durch ihre stillen Gassen und über ihre sonnigen Mauern spaziert. Die Stimmung ist eher ruhig und gelassen, die Menschen dort freundlich und entspannt. Wir gingen großäugig durch die kleine Moschee, hinein in ein Museum gefüllt mit Überresten dieser einst prächtigen und blühenden Stadt, hinaus in den Sonnenschein, der auf die großen Terrassen prallte, und blickten vorsichtig über die Mauern auf die Stadt Buchara. Nach ca. 1 ½ Stunden stiegen wir wieder in den Bus. Nach einer langen Suche nach Benzin, die uns durch ganz Buchara führte (so schien es uns jedenfalls), kamen wir zum Ismael Samani Mausoleum. Dies ist das wohl älteste und am besten erhaltene Gebäude in Buchara. Es wurde Anfang des 10. Jahrhunderts gebaut und stammt aus der Zeit der Samaniden Herrschaft (875-999). Im Mausoleum liegen nicht nur der Gründer, Ismael, sondern auch dessen Vater Ahmed, sein Neffe Nasr und andere Mitglieder der Samaniden Familie begraben. Das Muster des Gebäudes wird von in der Sonne getrockneten Bausteinen visuell unterstützt und macht das Mausoleum deshalb so interessant. Egal wie das Sonnenlicht fällt, es entsteht jedes Mal ein neues Muster durch die Überlappung der Steine. Leider waren wir zu dem Zeitpunkt (abends) zu spät, um das Mausoleum von innen besichtigen zu können, doch von außen sah es schon bemerkenswert genug aus. Um das Gebäude herum saßen auch mehrere Usbeken, die Abbildungen des Mausoleums in Bronzeteller schnitzten. Nach einer Weile eilten wir schließlich zum Poi Kalon Ensemble, das für mich den Höhepunkt des Tages bieten sollte. Denn dieser Platz ist einfach nur umwerfend. Vor allem, weil wir kurz vor Sonnenuntergang dort ankamen und miterleben konnten, wie die letzten goldenen Strahlen der Sonne auf dem berühmten honigfarbenen Kalon Minarett leuchteten.

Das Poi Kalon Ensemble ist angeblich das „religiöse Herz“ von Buchara und besteht aus dem Kalon Minarett, der Kalon Moschee und der Mir-I-Arab Madrassah.

Das Kalon Minarett ist auch bekannt als „Turm des Todes“, weil zur Zeit der Mangit Usbeken Kriminelle vom 43m hohen Turm gestoßen wurden. Die Kalon Moschee ist nicht nur eine der ältesten Moscheen in Zentralasien, sondern auch die zweitgrößte.

Die Mir-I-Arab Madrassah ist eine der seit Jahrhunderten angesehensten schulischen Einrichtungen in Buchara. Uns bot sie auch ein perfektes Plätzchen zum Hinsetzen, um alles in Ruhe beobachten zu können.

Der Platz, der die beiden Gebäude trennt, ist riesengroß und wird ständig von kleinen Kindern „bewacht“, die Postkarten an Touristen verkaufen, sich aber auch jederzeit auf ein Gespräch einlassen, Hauptsache, man kauft letztendlich eine Postkarte.

Als wir schließlich beim Sommerpalast des Emirs ankamen, war es fast stockdunkel. Wir ließen uns aber nicht von der Dunkelheit abhalten und trabten tapfer durch die Gärten des Emirs, auch wenn wir nicht besonders viel, außer ein paar Statuen und Brunnen, erkennen konnten. Dafür war der Nachthimmel um so schöner, und wir stolperten mit zum Himmel gerichteten Gesichtern wieder aus den Gärten heraus.

Nach einer kurzen Busfahrt kamen wir schließlich zum Essen bei Familie Yusupjanova an. Das Essen hat uns, wie jedes mal, sehr gut geschmeckt, und nach

dem einige die Duschmöglichkeiten bei der Familie ausprobiert hatten und einige andere den Wodka getestet hatten, waren wir bereit für eine lange nächtliche Busfahrt in Richtung Chiva. Ich glaube nicht, dass irgend jemand besonders viel und gut in dieser Nacht geschlafen hat. Außerdem war der Nachthimmel der usbekischen Wüste so beeindruckend, dass es einigen wirklich schwer fiel, die Augen davon zu reißen und zu schlafen.

Am nächsten Morgen in aller Frühe kamen wir in Chiva an. In der Morgensonne sah alles noch ruhig aus, ohne Touristen und fast menschenleer. Da viele noch schlafen wollten, verließen nur einige Ruhelose den Bus, um Frühstück zu suchen. Kurze Zeit später fiel den Aufwachenden auf, dass sie ganz alleine waren und sie gerieten leicht in Panik. Schließlich, nachdem alle langsam wach wurden, tauchten die Ruhelosen auf einmal auf und wir begaben uns gemeinsam zum Hotel, wo Frühstück auf uns wartete. Keiner hat besonders viel gegessen, dafür aber draußen auf dem Sufa – einem etwa ½ Meter hohen und meist 2 mal 2 Meter großen, mit Matten und Teppichen belegten Podest, auf dem man isst, Tee trinkt, Karten, Dominos oder Schach spielt oder ruht in der Vormittagssonne noch etwas länger geschlafen. Das war also der Anfang von einem langen, erlebnisreichen Tag in Chiva