Berlin-Brandenburgischer
Förderkreis Usbekistan
stellt sich vor
Von
Renate Gudat und Prof. Dr. Dieter Schulmeister
Der Berlin-Brandenburgische Förderkreis Usbekistan bei der Entwicklungspolitischen Gesellschaft e.V. wurde am 3. Dezember 1993 gegründet. Er ist eine Initiative von in Berlin und dem Land Brandenburg lebenden Deutschen und Usbeken, die daran interessiert waren, Informationen über Usbekistan auszutauschen und auf vielfältige Art und Weise beiderseitig nützliche Beziehungen zu entwickeln. Er ist offen für jeden, der Interesse hat, Ideen und Vorschläge einbringen will, Partner in Deutschland und Usbekistan zur Realisierung von Projekten sucht und Kontakt knüpfen will.
Schwerpunkte der Arbeit des Förderkreises in den zurückliegenden Jahren waren:
- Informations- und Öffentlichkeitsarbeit über Usbekistan, zur Geschichte und zur Gegenwart des usbekischen Volkes
- Förderung des kulturellen Austausches
- Initiierung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, speziell mit Nichtregierungsorganisationen und Unterstützung des Aufbaus entsprechender Strukturen in Usbekistan. Besondere Aufmerksamkeit galt Frauen- und Jugendprojekten sowie Aufgaben auf sozialem Gebiet.
Da eine Städtepartnerschaft Berlin-Taschkent besteht, wird der Förderkreis vom Senat Berlin unterstützt und er trägt seinerseits zur Umsetzung dieser Partnerschaft bei.
Aus der Vielzahl der Veranstaltungen und realisierten Projekte seien die zwei jüngsten Projekte vorgestellt.
Im Mai 1999 organisierte der Berlin-Brandenburgische Förderkreis Usbekistan gemeinsam mit usbekischen Partnern und mit Unterstützung der Berliner Senatskanzlei einen Workshop zum Thema „Nichtregierungsorganisationen (NRO) in der modernen Gesellschaft – Erfahrungen in Deutschland und Usbekistan“. Mehrere Berliner und Vertreter von fünf jungen, aber sehr engagierten usbekischen NRO nahmen an dem Workshop teil, der im Berliner Roten Rathaus stattfand.
Es war ein guter Zeitpunkt für diesen Erfahrungsaustausch. Die usbekischen NRO hatten erreicht, dass in Usbekistan ein Gesetz „Über nichtstaatliche nichtkommerzielle Organisationen“ beschlossen wurde. Auf ihrer Tagesordnung standen Vorschläge zur Verbesserung eines nationalen Konzeptes zur nachhaltigen Entwicklung der Republik Usbekistan und die Bildung eines ökologischen Klubs für nachhaltige Entwicklung.
Auf deutscher Seite gab es nun fast ein Jahrzehnt Transformationserfahrung und es war an der Zeit, die Spezifika von NRO in ihrer gesellschaftlichen Wirkung und Verankerung zu überdenken. So gab es auf dem Workshop einen intensiven Meinungsaustausch zwischen den usbekischen und deutschen Teilnehmern über spezifische Entstehungs- und Wirkungsbedingungen von NRO im Ost- und Westteil Deutschlands und andererseits in Usbekistan, über gesellschaftliche Akzeptanz, politische Motivation, Beziehungen zwischen NRO und Staat, finanzielle Abhängigkeiten usw.
Neben dem Thema „Frauen und Soziales“ fand der Bereich „Umwelt und Entwicklung“ bei den Usbeken besondere Aufmerksamkeit. Im Anschluss an den Workshop wurde die Diskussion zum Thema Umwelt und Entwicklung vor allem mit dem usbekischen NRO „Gorod masterov“, einer ehrenamtlichen Initiative von Studenten und jungen Wissenschaftlern in Taschkent, weitergeführt, die von Ozod Mukhamedjanov, Arzt und unabhängiger Umweltexperte, geleitet wird.
Zwischen der Entwicklungspolitischen Gesellschaft (EpoG) und Gorod masterov wurde 1999 vereinbart, gemeinsam einen Projektvorschlag für ein studentisches ASA-Programm (Arbeits- und Studienaufenthalte in Afrika, Asien, Lateinamerika) der Carl-Duisberg-Gesellschaft zu erarbeiten.
Dieses ASA-Süd-Nord-Projekt wird in diesem Jahr realisiert. Die erste Phase ist bereits abgeschlossen. Zwei usbekische Studenten aus dem ökologischen Jugendklub von „Gorod masterov“ waren von Mitte April bis Mitte Juli in Berlin. Ihre Aufgabe war es, Bildungs- und Lobbyarbeit von Berliner NRO zum Thema Umwelt und Entwicklung kennenzulernen, sich mit dem Lokale Agenda-Prozess in Berlin und seinen Bezirken bekanntzumachen, Jugendbildungsarbeit auf dem Gebiet zu studieren und im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Taschkent Möglichkeiten künftiger Kooperationen von Berliner und Taschkenter NRO aufzudecken. Dabei erfolgte bereits eine enge Zusammenarbeit mit den vom ASA-Programm ausgewählten zwei deutschen Studentinnen, die zur Zeit in Taschkent ihren ebenfalls dreimonatigen Studienaufenthalt absolvieren.
Die beiden Studenten Umid Akhmedov und Shomansur Shorakhimov nutzten mit ihren 17 Jahren Zeit und Erfahrungsaustausch maximal. Bewundernswert, wie diszipliniert und erfolgreich sie deutsch gelernt, sich in die differenzierte „Berliner Szene“ von Akteuren des Themas Umwelt und Entwicklung hineinbegeben und sich aktiv auf unterschiedlichen Diskussionsforen bei EpoG, ASA, bei der Grünen Liga, in Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen, sogar bei internationalen Konferenzen auf der EXPO in Hannover und in „Local Heroes“, eine NRO-Gegenkonferenz zur „Urban 21“ in Berlin, beteiligt haben.
Sie erarbeiteten Projektvorschläge für zukünftige Jugendbildungsprojekte in Taschkent in Kooperation mit EpoG.
Der Vorsitzende von „Gorod masterov“ Ozod Muskhamedjanov war zum Abschluss der ersten Phase des Projekts in Berlin, eingeladen von den Organisatoren der Konferenz „Local Heroes 21 – Städte für alle – Cities for all“ und EpoG. Die Konferenz war ein europäisches Treffen städtischer Basisorganisationen mit Gästen aus Ländern des Südens und Ostens. Dieses Treffen diente dem Erfahrungsaustausch von städtischen Basisorganisationen und der Vorbereitung der Weltversammlung von Stadtbewohnern in Mexiko-Stadt im Oktober 2000.
Gorod masterov und EpoG beschlossen, den Erfahrungsaustausch zwischen Taschkent und Berlin in Taschkent fortzusetzen. Der usbekisch-deutsche Workshop fand in der Zeit vom 25. Bis 29. September in Taschkent unter dem Titel „Nachhaltige Entwicklung. Lokale Agenda 21. Partnerschaft und Erfahrungsaustausch Berlin-Taschkent“ statt. Dabei kooperierten „Gorod masterov“ in Taschkent mit der usbekischen Jugendstiftung „Kamolot“, mit der Frauenorganisation „Tadbirkor Arjol“, mit Universitäten und Jugendinitiativen, mit der Taschkenter Stadtverwaltung und Unternehmen. In Berlin gab es für die Vorbereitung und Teilnahme am Workshop Zusammenarbeit zwischen EpoG, der Grünen Liga, dem Forum Umwelt und Entwicklung, dem ASA-Programm, der Senatskanzlei, dem Lichtenberger Umweltamt, dem Institut für Agrar- und stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Kontakt:
EpoG
Berlin-Brandenburgischer Förderkreis Usbekistan
Prof. Dr. Dieter Schulmeister
Treskowallee 8
10313 Berlin
Tel: (030) 50192892
Fax: (030) 50192843