Das
usbekische Heldenepos Alpomish erzählt
vom Kampf des Titelhelden gegen die Feinde seines Volkes, von seiner
Gefangenschaft und erfolgreichen Befreiung und schließlich seiner glücklichen
Heimkehr. Inhaltlich hat das usbekische Heldenepos enge Parallelen zur Odyssee
Homers; die Heimkehr des Odysseus weist zahlreiche, zum Teil frappierende Ähnlichkeiten
zur Heimkehr des Alpomish auf. Aber nicht nur aufgrund dieser inhaltlichen Ähnlichkeiten
ist das usbekische Heldenepos interessant und wichtig für die vergleichende
Epenforschung. Im Epos von Alpomish werden die Ideale einer vorliterarischen,
ursprünglich nomadischen Gesellschaft verkörpert, und das Epos reicht so in
die ältesten historischen Schichten des usbekischen Volks hinab.
Die usbekischen mündlichen Epen werden von Epensängern in der Regel zur Begleitung eines Zupfinstruments vorgetragen, meist der Dombra. Die Epen sind in Vers und Prosa abgefasst. Während die Prosa rezitiert wird, werden die Verspartien gesungen. Die längste und bedeutendste Version des Epos Alpomish stammt von dem Bachschi Fazil Yoldosh-oghli (1872-1955). Die Verspartien seiner Version umfassen ca. 14,000 Verszeilen, entsprechen also ungefähr der Länge der Ilias Homers.