Das usbekische Heldenepos Alpomish
stellt einen Höhepunkt in der jahrhundertealten mündlichen
Dichtungstradition der Usbeken dar. Es wird noch heute von Volkssängern oder
Bachschis zur Begleitung der Dombra vorgetragen. Einer der bedeutendsten noch
lebenden usbekischen Volkssänger, der Bachschi Shoberdi
Boltaev aus der Provinz Surchandaryo, wird bei dieser Veranstaltung eine
Probe seines Könnens geben und Auszüge aus dem Epos vortragen. In Usbekistan
wurde das Epos Alpomish über viele Generationen hinweg von Sänger zu Sänger mündlich
weitergegeben, und es wird bis in unsere Tage von begabten Epensängern bei
festlichen Anlässen vorgesungen.
Zahlreiche Versionen sind inzwischen von den Volkskundlern Usbekistans
aufgezeichnet worden und viele von ihnen auch herausgegeben worden. Prof.
Dr. Tora Mirzaev, Vizepräsident der Usbekischen Akademie der Wissenschaften
und Spezialist für die usbekische mündliche Epik, wird in das Epos einführen.
Prof. Mirzaev hat selbst zahlreiche Epen aufgezeichnet und ist der führende
Herausgeber usbekischer mündlicher Dichtung.
Zugleich soll in dieser Veranstaltung die erste deutsche Übersetzung
einer Version dieses Epos aus dem usbekischen Original vorgestellt werden:
Das
usbekische Heldenepos Alpomish: Einführung, Text, Übersetzung von Karl Reichl
(Wiesbaden, Harrassowitz, 2001).
Karl Reichl ist Professor für Englisch an der Universität Bonn. Sein
Forschungsschwerpunkt ist die mündliche Epik des Mittelalters. In diesem
Zusammenhang beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit der mündlichen
Dichtung Mittelasiens. 1978 erschien seine Übersetzung usbekischer Märchen in
Bochum, 1985 seine Übersetzung des usbekischen Epos Ravshan im
Harrassowitz-Verlag, 2000 ein Buch über die mündliche Epik der Turkvölker im
Vergleich zur mittelalterlichen Heldenepik in den USA (Cornell University Press)
und 2002 eine Einführung in die mündliche Epik Mittelasiens in Paris.