Film über den Aralsee –
Deutsch-Usbekische Gesellschaft diskutierte mit dem Filmemacher

"Wo das Wasser endet - endet die Erde" - Regisseur Joachim Tschirner stellte seinen Dokumentarfilm vor Von Dr. Wolf Bauer

 

Fast 60 Besucher folgten am 20. März 2000 der Einladung der Deutsch- Usbekischen Gesellschaft in den Filmvorführraum der Ausbildungsstätte des Auswärtigen Amtes in Bonn, um gemeinsam mit dem Filmemacher des Dokumentarfilms "Wo das Wasser endet - endet die Erde", Joachim Tschirner, der Vorführung des beeindruckenden Dokumentarfilms über die Umweltkatastrophe im Zusammenhang mit der Verlandung des Aralsees zu folgen. Anschließend diskutierten die Besucher mit dem Filmemacher über den Film und die Umwelt- katastrophe am Aralsee.

Am 16. November 1996 hatte eine Gruppe von Filmregisseuren, Kameraleuten, Juristen, Grafikern, Autoren, Dozenten und Fernseh- und Rundfunkpublizisten den Verein "Wasser für die Kinder des Aralsees e.V." gegründet. Im Sommer 1997 transportierte der gemeinnützige Verein dann mit Sattelschleppern 70 Tonnen hochwertige Ausrüstungsgegenstände in das Katastrophengebiet.

Adressaten waren die Krankenhäuser von Muinak, Tahktakapyr und Nukus. Es handelte sich hierbei um Krankenhausbetten, Spezialbetten, Kinderbetten, Operationstische und -instrumente, Kleidung und Wäsche für Ärzte und Patienten, gynäkologische Ausrüstungen und Diagnosegeräte, die vom Bundesamt für Zivilschutz zur Verfügung gestellt worden waren. Einige Vereinsmitglieder hatten diesen Transport auf seiner sechzehn Tage dauernden Fahrt zum Aralsee filmisch begleitet. Die Filmaufnahmen wurden schließlich Bestandteil eines 90- minütigen Dokumentarfilms über die Aralsee-Katastrophe. Mit diesem Film sollte die Öffentlichkeit auf die verheerende Notlage am Aralsee aufmerksam gemacht werden.

Fast unvorstellbar erschienen den Zuschauern in der Ausbildungsstätte des Auswärtigen Amtes die nur etwa 30 Jahre alten Filmaufnahmen, in denen auf Flächen, wo heute nur salz- und pestizidverseuchte Wüste ist, eine schier endlose Wasserfläche mit Schifferboten zu sehen sind. Die Tatsache, dass die Fläche des Sees sich in den letzten 30 Jahren um mehr als 40.000 km-' verringert hat, wurde durch diese Bilder eindrucksvoll belegt. Der Aralsee - so Tschirner in seinem Film - war der viertgrößte Binnensee der Erde, einhundertzwanzig Mal so groß wie der Bodensee. Die Flüsse Amu-Darja und der Syr-Darja speisten den See mit Wasser vom Dach der Welt, aus dem Pamir und dem Tien-Schan- Gebirge. In nur drei Jahrzehnten verlor der Aralsee mehr als die Hälfte seiner Fläche, ein Gebiet, fast so groß wie die Niederlande. Besonders eindringlich schildert der Film das Schicksal der im Delta des Amu-Darja lebenden Menschen. Die Kindersterblichkeit in Karalpakstan, einer autonomen Teilrepublik Usbekistans, ist eine der höchsten in der Weit. Das Wichtigste, was benötigt wird, ist sauberes Trinkwasser. Die ca. vier Millionen betroffenen Menschen aus der Kernzone der ökologischen Katastrophenregion leiden an Atom-, Rachen- und Lungenerkrankungen, wie im Film zu Wort kommende Ärzte eindrucksvoll berichten.

 

Die Ursachen dieser Umweltkatastrophe sind in der wasserintensiven Baumwollproduktion seit den 60er Jahren zu suchen. Die meisten Kanäle zur Bewässerung der Baumwolle sind nicht betoniert, so dass Unmengen Wasser auf dem Weg zu den Feldern nutzlos versickern. Durch intensive aber ineffektive Bewässerung hat der See mehr als drei Viertel seines Wassers verloren. Zurück blieb eine ausgedehnte Wüste voller Giftstoffe. Winde verteilen den Staub des ausgetrockneten Sees, der große Mengen an Salzen, z.B. Nitraten, Entlaubungsmitteln und Pestiziden enthält, und tragen ihn Tausende Kilometer weit.

In der auf die Filmvorführung folgenden Diskussion wurde vor allem die Frage gestellt, wie den Betroffenen am besten geholfen werden kann. Thematisiert wurde auch die Problematik der wasserintensiven Baumwollproduktion. Lösun- gen zu diesen Problemen und Missständen zu finden, erwiesen sich jedoch als sehr schwer. Zu vielschichtig und weitgreifend sind die Gründe, die zur Umweltkatastrophe führten. Helfen kann vor allem die Unterstützung von Vereinen und Organisationen, die sich wie Tschirners Verein "Wasser für die Kinder des Aralsees" im Bereich der humanitären Hilfe engagieren. Ein Ende der Katastrophe am Aralsee ist jedoch nicht abzusehen.

 

Für Spenden hat der Verein "Wasser für die Kinder des Aralsees e.V." bei der Berliner Sparkasse ein Sonderkonto eingerichtet: Aralsee-Hilfe Konto 31 31

Berliner Sparkasse BLZ 100 500 00

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