Von
Dr. Gulnara Babadschanowa, Geschäftsführende Direktorin des Inter- nationalen
Zentrurns für die Weiterbildung von Journalisten, und Abdulla Mamadschonow,
Journalist
In
jedem Jahr unternimmt der Schubertbund-Essen, ein Männerchor aus der
Ruhrmetropole, eine Auslandsreise. Nach Reisen in die USA, nach Ägypten und den
Philippinen war Usbekistan im Oktober 1999 das Ziel.
In
der Vertonung von Gedichten Johann Wolfgang von Goethes steht Franz Schubert an
der Spitze. Da lag es nahe, zum 250. Geburtsjahr Goethes die Stätten zu
besuchen, die von Hafiz besungen und von Goethe im 'West- östlichen Diwan' den
Europäern nahegebracht wurden. Nicht nur die gut dreißig Sänger, alles
gestandene Geschäftsleute, Lehrer und Mitarbeiter von Essener Betrieben, zog es
nach Zentralasien. Auch sechs Bürgermeister aus der bekann- ten Pfälzer
Weingegend um Maikammer und Sankt Martin mit ihren Ehefrauen, Ehepaare aus der
Essener Umgebung, aus Baden-Württemberg und Sachsen folgten den Spuren des 'VVest-östlichen
Diwan'. Insgesamt waren es an die neunzig Musik- und Usbekistanliebhaber.
Die
Konzerte begannen und endeten in der Hauptstadt Usbekistans, in Taschkent. Zur
Feier des 50. Jahrestages der Bundesrepublik Deutschland und zum Gedenken an die
Öffnung der Berliner Mauer hatten der deutsche Botschafter, Dr. Reinhart
Bindseil, und seine Frau Gemahlin über 700 usbekische Gäste eingeladen.
Erstmalig sang ein deutscher Chor zur Eröffnung der Feierstunde die usbekische
Nationalhymne, was viele usbekische Gäste Tränen des Stolzes und der Rührung
vergießen ließ. Der Chor der Gefangenen aus der Oper 'Fidelio' sowie der
Schlusssatz der Neunten Symphonie, 'Freude schöner Götterfunken', von Ludwig
van Beethoven hoben die politische Bedeutung der Feierstunde hervor. Der Ernst
der Stunde wurde aber dann mit der Vertonung des Goe- the-Gedichtes 'Im Gegenwärtigen
Vergangenes' aus dem 'West-östlichen Diwan' aufgelockert, wo die Hörerinnen
und Hörer, getreu dem Motto von Hafizen, auf- gefordert werden, den Abend 'mit
Genießern zu genießen'.
Die
usbekische Regierung hatte eingewilligt, für diese politische Veranstaltung das
Auditorium Maximum ihrer Akademie für Staats- und Gesellschaftsaufbau zur Verfügung
zu stellen. Fachleute sagen, dass dieses Auditorium eine ausgezeichnete Akustik
besitzt. Das freute besonders den Schubertbund und das usbekische Orchester samt
Chor und Solisten sowie den Bariton Daniel Washington aus den USA. Der
Botschafter der Vereinigten Staaten in Usbekistan, Joe Pressel, hatte dafür
gesorgt, dass dieser bekannte Solist auf Kosten der US- Regierung an der
Konzerttournee teilnehmen konnte. Bereits im Jahr zuvor hatte Daniel Washington
das usbekische Publikum bei einem Gershwin-Festival be- geistert. Während
seiner früheren Deutschlandaufenthalte war er auch in Essen Gast der Oper im
Aalto-Theater gewesen und hatte mit dem Schubertbund gemeinsame Auftritte
gehabt.
Man
sieht, dass sich der Faszination der Seidenstraße nur wenige entziehen können.
Das trifft im besonderen Maße für die Sponsoren zu, deren finanzielle Beiträge
es erst ermöglicht hatten, dass diese Planung realisiert werden konnte. Der
Schubertbund hatte die Flugkosten von und nach Deutschland selbst bestritten.
Die Kosten in Usbekistan aber waren von mehreren deutschen Sponsoren getragen
worden. Hauptsponsor war die Repräsentanz der Daimler Chrysler AG. Aber auch
die Siemens AG sowie die Ulmer Textilfirma Gläser GmbH, die Deutsche-, die
Dresdner- und die Commerzbank AG beteiligten sich. Auch eine Schweizer Firma,
die Petrolex AG, war mit von der Partie.
Das
usbekische Kulturministerium sowie die Tourismusorganisation von Usbekistan (Uzbektourism)
setzten alles daran, dass die geplante Reise ein Erfolg und ein unvergessliches
Erlebnis wurde. Das fing bereits damit an, dass der Schubertbund und die
deutschen Gäste im Flughafengebäude von Mädchen in usbekischer Nationaltracht
mit Brot und Salz empfangen wurden. Der Schubertbund revanchierte sich damit,
dass er den wunderschönen Schubertsatz: '0, wie schön ist deine Welt' ertönen
ließ. Das hatten die wartenden Usbeken, die Zöllner und Grenzschutzmilizen
zuvor noch nie erlebt.
Es
versteht sich, dass die usbekischen Medien großes Interesse hatten zu ver-
stehen, welche Bedeutung solche Weltfirmen wie Daimler Chrysler der
Kulturpolitik beimessen und warum. Dazu wurden von dem usbekischen
Internationalen Journalistenzentrum jeweils Pressekonferenzen durchgeführt. An
ihnen nahmen auch die sechs Pfälzer Bürgermeister teil, und manche konkrete
Austauschvor- haben, wie die Unterstützung des Schüleraustausches zwischen
Bonn und Buchara sowie die Ausbildung von zwei Praktikanten im Weinbau, wurden
dabei angesprochen.
Höhepunkt
der Aufenthalte in Buchara und Samarkand waren aber die Konzerte des
Schubertbundes. In Buchara wurde dazu der renovierte Thronsaal des Emirs von
Buchara in der Zitadelle genutzt. Unter dem sprichwörtlich blauen
Bilderbuchhimmel Bucharas und bei untergehender Sonne ertönten wunder- schöne
Chorsätze von Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms und
anderen. Nach der Pause hieß dann das Motto 'Von Goethe zu Gershwin', und
Daniel Washington sang unter anderem aus 'Porgy and Bess: A Woman is a sometime
thing'. Der Emir von Suchara, dem ein Harem von vier- hundert Frauen nachgesagt
wird, hätte sicherlich auch daran Gefallen gefunden. Zu Herzen gehend war die
Aufführung des 5. Ungarischen Tanzes von Johannes Brahms. Ein Bucharenser
Jugendorchester musizierte dazu auf nationalen Instrumenten, während der
Schubertbund sang.
Die
Grandiosität des Registan Platzes in Samarkand, wo das gleiche Programm, aber
ohne Jugendorchester, zur Aufführung kam, war für die Sänger aus Essen schier
überwältigend, ebenso für die mitreisenden Gäste aus Deutschland. Im zweiten
Teil des Programms machte der Registan Platz dann seinem Namen alle Ehre, Lind
der aufkommende Wind ließ die Sänger später gern nach wärmenden Getränken
im Hotel greifen. Sie wurden von dem Hokim (Bürgermeister) von Samarkand
reichlich angeboten.
Wieder
in Taschkent probte dann der Schubertbund zusammen mit dem Staatlich
Akademischen Chor und dem Chor des Konservatoriums für ein Matinee- Konzert am
Sonntagmorgen. Das Musiktheater hatte weder von der Programmgestaltung noch von
der Zeit, am Sonntagmorgen, je ein solches Konzert erlebt. Nach dem gemeinsamen
Schlusschor, dem 'Halleluja', aus dem 'Messias' von Händel, waren alle überwältigt
von diesem wunderbaren und völkerverbindenden Konzert.
Man
gelobte feierlich, mit einem Wiedersehen in Deutschland im nächsten Jahr die
Begegnung fortzusetzen, zumal die wunderbare Musikalität des usbekischen Chores
deutsche Musikliebhaber sicherlich genauso begeistern wird.
Alles
in allem war diese Reise ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Musik die
Herzen höher schlagen lässt und unser usbekisches Volk aus seiner früheren
Isolation herausführt. Ein großer Dank gebührt all denen, die zu diesem
Vorhaben mit ihrem Idealismus und ihrem finanziellen Einsatz zur Völkerverständigung
beigetragen haben.