
Deutsch-Usbekische
Gesellschaft e.V.
Konto Nr. 19 002 526, Sparkasse Bonn, BLZ 380 500 00
Dagmar Hermann, Geschäftsführerin
Meine Damen und Herren,
Der Präsident der Deutsch-Usbekischen Gesellschaft e.V., Herr Dr. Bauer, bedauert heute nicht hier sein zu können, weil ihn Aufgaben im Bundestag beschäftigen, entbietet Ihnen aber seine Grüße.
Daher ist es für mich eine Ehre und Freude, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich bin die Geschäftsführerin der Deutsch-Usbekischen Gesellschaft.
Wie Sie wissen, bildeten sich nach dem Zusammenbruch der Sowjet-Union die zentralasiatischen GUS-Staaten, die alle ihre damaligen Außenminister als Botschafter nach Deutschland schickten. Es hatte ja immer freundschaftliche Beziehungen zur DDR gegeben, und so sprachen alle Außenminister mehr oder weniger gut deutsch.
Der usbekische Botschafter, Sadyk Safaev, bemühte sich sehr zügig um vielfältige Kontakte zum deutschen Handel, zur Industrie, aber auch zur Wissenschaft. Er gewann Herrn Heinrich Schwarz, damals MdB, früher Innenminister von Rheinland-Pfalz, als Präsidenten der 1994 zu gründenden Deutsch-Usbekischen Gesellschaft e.V., welcher dann schnell die Leiter oder Eigentümer der Firmen beitraten, die in Usbekistan investieren wollten. Damals waren ja hohe Hürden zu überwinden, angefangenen von rechtlichen Bestimmungen über Hermes Bürgschaften bis zu den praktischen Im- oder Exporten. Herr Safaev kaufte damals z.B. für den innerstädtischen Verkehr in Taschkent 240 Mercedes-Busse, die Deutsche Bank erhielt, obwohl die Engländer sogar Princess Anne nach Uzbekistan schickten, das Goldmonopol, denn Usbekistan ist der zweitgrößte Goldproduzent der Welt, wir verkauften Medizin und entsandten Experten, um, nur z.B., den Usbeken bei der Kaolin-Förderung zu helfen – denn Russland lieferte ihnen nun kein hochwertiges Kaolin mehr – und auch Wissenschaftler, die sich um die Aralsee-Problematik kümmerten und es noch tun, wie Christopher Martius, vom Zentrum für Entwicklungsforschung hier in Bonn, der salzvertilgende Reispflanzen im Gebiet um Chiwa anbaut und dafür junge Wissenschaftler aus Usbekistan nach Bonn holt, wo sie dann auf diesem Gebiet forschen und promoviert werden. Mercedes baute ein Lastwagenproduktion in Urgensch, und Baumwolle wurde im Gegenzug von uns gekauft, da Usbekistan bislang keine konvertierbare Währung hat, was die Weltbank nun aber mit Deutlichkeit angemahnt hat.
Natürlich wurden die Wege geebnet für Großfirmen wie auch für mittelständische Investoren aus ganz Deutschland. Die Deutsch-Usbekische Gesellschaft e.V. hat diesbezüglich und in Zusammenarbeit mit der Botschaft Wirtschaftsforen veranstaltet und viel Hilfestellung geleistet auch bei der Studentenförderung oder humanitären Initiativen. So hat Siemens mit der Welthungerhilfe ein Heim für gehörlose Kinder in der Nähe von Chiwa ausgebaut und mit Anlagen ausgestattet, eine unerhörte Errungenschaft in einem Land, in dem solche Kinder , die als Strafe für mütterliches Vergehen angesehen wurden, weggeschlossen wurden. Über die Deutsch-Usbekische Gesellschaft wurde das Mutter-Kind Projekt an der Universität Göttingen initiiert, durch das Gynäkologen aus Nukus, das in Aralsee-Nähe liegt, nach Göttingen kommen und dort mindestens 6 Wochen in der Universitätsklinik auf dem Gebiet der Pränataldiagnostik ausgebildet werden. Wie Sie sicher wissen, ist die Kindersterblichkeit am Aralsee besonders hoch, sind die Menschen dort 8 cm kleiner als im Landesdurchschnitt. Aber auch der intensive Baumwollanbau, den die UDSSR den Usbeken aufgezwungen hat, führt wegen der eingesetzten Pestizide und Insektizide zu hohen Todesraten im Säuglingsalter.
Soweit die allgemeinen Bemerkungen. Jetzt zur Partnerschaft zwischen Bonn und Buchara.
Der 3. und jetzige usbekische Botschafter, Herr Dr. Norov, kommt aus Buchara, einer Stadt , die noch auf eine längere Geschichte als Bonn zurückblicken kann und von ähnlicher Größe und Gelehrsamkeit ist, für ihn der ideale Partner. 1999 erkannte Herr Dr. Norov, dass seine Teilnahme am Fest „Toleranz“ in der Rheinaue eine Notwendigkeit sei, zumal die Deutsch-Usbekische Gesellschaft das Ensemble Schachmaqom aus Buchara eingeladen hatte, um auch im Rahmen des Bonner Sommers aufzutreten und bis heute nimmt seine Botschaft zusammen mit der Deutsch-Usbekischen Gesellschaft alljährlich an diesem Fest teil. Herr Dr. Norov, der trotz seines Umzuges nach Berlin sehr häufig Bonn besucht, zuletzt noch anlässlich der Beisetzung von Frau Prof. Schimmel, überzeugte die Oberbürgermeisterin, dass eine Projekt-Partnerschaft zwischen Buchara und Bonn von Vorteil sei,
Seit der Besiegelung der Projekt-Partnerschaft hat es, meines Wissens, ein Wasser-Projekt in Buchara gegeben, an dem natürlich die Stadt Bonn, aber auch die UN wie auch die Stadt Buchara beteiligt sind. Es hat Kulturtage in Bonn gegeben, die viele Besucher anzogen. Es war eine usbekische Delegation von städtischen Vertretern und Geschäftsleuten in Bonn, und die Deutsch-Usbekische Gesellschaft hat sich bemüht, sich beratend einzubringen, aber auch bei der Durchführung beteiligt.
Die usbekische Botschaft hat immer ihre Verbundenheit mit Bonn betont, nicht nur in der Rheinaue, sondern auch z.B. als Frau Prof. Schimmel 80 wurde und sich ins Goldene Buch der Stadt Bonn eintrug, und auch z.B. am Dies der Universität, als Herr Prof. Reichl seine Übersetzung des usbekischen Nationalepos „Alpomisch“ ins Deutsche feierte und er mit der Deutsch-Usbekischen Gesellschaft zusammen einen Epos-Sänger und den Präsidenten der usbekischen Akademie der Wissenschaften einlud und die Botschaft anschließend den Empfang in der Universität gestaltete, wobei der Plov selbst auf dem Parkplatz des Beethoven-Gymnasiums gegart wurde. Ihre größte Verbundenheit zeigen der jetzige usbekische Botschafter, Herr Dr. Norov wie auch der 1. Gesandte in Bonn überhaupt und der 2. Botschafter, Herr Dr. Schaichow, indem sie ihre Kinder in Bonn zum Studieren belassen und nicht etwa nach Berlin umgezogen haben.
Daran hat sicher die Deutsch-Usbekische Gesellschaft ihren Anteil, da ich mich u.a. darum bemühe, die in Bonn studierenden Usbeken zu betreuen, sie über Feiertage zu unseren Mitgliedern zu vermitteln etc.. Sie, verehrte Anwesende, sind herzlich zu unserem Stammtisch an jedem 1. Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr im „Aktuell“ eingeladen.
Die Stadt Bonn ihrerseits hat der Deutsch-Usbekischen Gesellschaft die Möglichkeit gegeben, anlässlich des usbekischen Frühlingsfestes die Räume des Alten Rathauses zu nutzen, und die usbekische Botschaft hat dann Speisen und Getränke, zumeist aus Buchara schicken lassen sowie Tänzerin und Tambourspieler, alles auf dem Umweg vom Frankfurter Flughafen zur ITB in Berlin. Dabei hat natürlich die Deutsch-Usbekische Gesellschaft die Gäste aufgenommen, so dass die Kosten für die Stadt minimal blieben.
Die Deutsch-Usbekische
Gesellschaft hat weiterhin mit der Stadt kooperiert beim Tag der Freiwilligen
und dem der Vereinten Nationen. Ich führe den Schüleraustausch mit Buchara
fort, wiewohl ich eigentlich auf Grund meiner Altersteilzeit, nicht mehr aktiv
im Dienst bin, wir haben Wissenschaftler und Geschäftsleute hier gehabt, die
mit Spezialisten des Venusbergs Kooperationsverträge geschlossen oder Seminare
bei der Telekom besuchten: Der Rotary-Club Beuel-Süd hat Mittel zur Verfügung
gestellt, damit die über 11-Jährigen unserer Partnerschule gegen Hepatitis
geimpft werden können, wofür die Stadt Buchara der Schule Toilettenanlagen
errichten und die Schule Hygiene-Tage gestalten muss. Außerdem habe ich bei
meinen Erwachsenen-Austauschen jeden Oktober Bonner Ärzte mitgenommen, die im
Gegenzug usbekische Ärzte einladen. Fernerhin fördert das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mehrere Projekte in Buchara, u.a.
gerade jetzt in Zusammenarbeit mit dem NABU und der GTZ.
Natürlich gibt es Probleme für die Deutsch-Usbekische Gesellschaft wegen des Berlin-Umzugs, da wir uns immer wieder der Stimmen erwehren müssen, die wegen unserer über ganz Deutschland verstreuten Mitgliedschaft eine Verlegung der Gesellschaft nach Berlin anregen.
Trotz allem gilt: Usbekistan ist unser verlässlichster Partner in Zentralasien, es lohnt sich, mit diesem Land zu kooperieren, und es gibt noch sehr viele Probleme, von denen ich nur einige nennen möchte, die mit Hilfe und Unterstützung der Stadt Bonn zu lösen wären, ohne dass die Projekte selbst etwas kosten.
Das Wichtigste aber scheint mir zu sein, dass möglichst viele Bonner, allen voran die Oberbürgermeisterin selbst, sich ein Bild vor Ort machen, dass sie ihre Verbundenheit mit der usbekischen Bevölkerung ausdrücken, denn deren Situation hat sich seit der Unabhängigkeit 1991 erheblich verschlechtert.
Wir hatten in der ersten Zeit der Bundesrepublik die Marshallplan-Hilfe, weswegen ich es fast für eine Pflicht halte, dass wir uns jetzt um unsere neuen Partner kümmern. Zu diesem Zweck möchte ich Sie aufrufen, für den – relativ geringen -Preis des Fluges und geringfügiger Zusatzkosten nach Usbekistan zu reisen, und im ehrlichen Austausch – vor allem Gedankenaustausch- einen Usbeken dann bei sich oder durch Freunde zu empfangen. Neue Ideen und Projekte ergeben sich daraus dann von selbst.
Ich weiß nicht, ob es zeitlich möglich oder Usus in diesem Gremium ist, Fragen zu stellen. Ich jedenfalls stehe zu Beantwortung gern bereit.
Dann danke ich der Stadt sehr herzlich, dass Sie der Deutsch-Usbekischen Gesellschaft Gelegenheit gegeben hat, hier über ihre Zielsetzungen und unsere Partnerstadt Buchara zu sprechen. Wir sind immer bereit, auf Anregungen der Stadt einzugehen und aktiv mitzuarbeiten. Sie sind aber auch herzlich eingeladen, unsere Homepage aufzusuchen, vielleicht sogar Mitglied zu werden, denn wir sind schon auf Mitstreiter angewiesen.
Herzlichen Dank.